La Tirana - La Tirana

Eine Hommage an die „Queen of Latin Soul“ (und noch sehr viel mehr)

 

„Wir versuchen, den Liedern ein neues Herz zu geben, das zu einem neuen, anderen Beat tanzt, aber dieselbe alte Sprache spricht.“     (Marcelino Galan – LA TIRANA)

 

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Die musikalisch-personellen Komponenten von La Tirana sind einfach: Eine bittersüße, moderne (und zugleich uralte) Frauenstimme, eine sensible Gitarre, die zwischen Flamenco, Jazz und Lounge oszilliert und ein warmes, zutiefst menschliches Kontrabass-Fundament – und das ganze wird dann noch mit „tragischen“ Samples und minimalen Keyboardsounds angereichert. Das Setup erinnert vielleicht an die frühen Portishead, doch musikalisch sind Patricia de Lorenzo und Beth Gibbons bestenfalls Cousinen zweiten Grades. Um La Tirana zu erklären, muss man sehr viel weiter ausholen...

Trotz vieler tausend Seemeilen Distanz kann man in der galizischen Hafenstadt A Coruña, am nordwestlichen Zipfel Spaniens, den Tango aus Buenos Aires beinahe riechen. Zumindest wenn der Wind aus westlicher Richtung weht, was oft der Fall ist. Diesen Eindruck vermittelt uns zumindest dieses ungewöhnliche Trio, bestehend aus Patricia de Lorenzo (Gesang), Marcelino Galán (Gitarre und Sampler) und Xacobe M. Antelo (Kontrabass).

Gleich zu Beginn erweisen sie „Vete de mí“ den Tango-Poeten Homero und Virgillio Exposito ihre Reverenz und nehmen deren altehrwürdiges Lied auf sanfte Art mit in die moderne Zeit. Man wiegt sich zum Tanz in einer galizischen Hafenbar und packt erst am frühen Morgen die Instrumente ein, um ein paar hundert Kilometer nach Süden zu fahren, nach Portugal, wo der Fado wohnt, der auch seine Spuren im Schaffen von La Tirana hinterlassen hat. Oder wir fliegen gleich „rüber“ nach Kuba, auf den Spuren von Guadalupe Victoria Yolí Raymond – genannt „La Lupe“ – die mit Stücken wie dem Bolero „Que Te Pedí“ und dem titelgebenden „La (Gran) Tirana“ unsterblich wurde. Der Legende nach hatte Fidel Castro selbst La Lupe – nach einer Art prähistorischem „Nipplegate“ mit einem Auftrittsverbot belegt. Was war passiert? Fans hatten ihr bei einem Konzert sprichwörtlich die Kleider vom Leib gerissen, sozialistische Paparazzi waren ihrer Informationspflicht nachgekommen und hatten die Szene für die Nachwelt festgehalten. La Lupe emigrierte in die USA, wo die ausgebildete Lehrerin von Mongo Santamaria gefördert und in den Sechziger und Siebziger Jahren als „Queen of Latin Soul“ verehrt wurde.

Generell leichter als andernorts lebt es sich – zumindest musikalisch – in Rio De Janeiro, wo Tom Jobims wunderschönes „Retrato Em Branco e Preto“ aus einem geöffneten Fenster zu uns herüberzuwehen scheint. Jobim begegnen wir übrigens – diesmal zusammen mit Vinicius de Moares – in einer halben Stunde schon wieder, wenn es heißt: „Eu Sei Que Vou te Amar“.

Patricia de Lorenzo singt die Lieder ihrer Idole mit allem gebotenen Respekt und gibt ihnen doch immer einen ganz eigenen Drall. Besonders liebenswürdig klingt ihre leicht nasale Interpretation von Djavans „Sorri“ (das wiederum auf der Chaplin-Komposition „Smile“ beruht). Manch übelmeinender lusophoner Kritiker mag ihren Akzent im Portugiesischen bemängeln, aber an Ausdruckskraft, Anmut und ungekünstelter Eleganz fehlt es der zierlichen Sängerin – die in ihrer Heimat auch als Film- und Fernsehschauspielerin bekannt ist – definitiv nicht.

Bei allem Respekt vor den Klassikern aus Kuba, Mexiko, Argentinien und Brasilien soll nicht unerwähnt bleiben, dass La Tirana für ihr Debüt auch vier fantastische Eigenkompositionen von Gitarrist und Produzent Marcelino Galan aufgenommen haben. Und die brauchen sich hinter den Größen der lateinamerikanischen Musikgeschichte keineswegs zu verstecken. Besonder augen- bzw ohrenfällig dürfte die Single-Auskopplung „Calimero“ sein, ein Stück, das mehr als einen Hauch Flamenco in der Blutbahn hat, aber auch mit lockeren Bossa-, House- und Nu Jazz-Elementen aufwartet. (Auf der Single gibt es noch einen deepen „naked house mix“ vom peacelounge-Labelkollegen m.age.project). Sehr viel besser tarnt sich das melancholische „Noría“, ein stimmungsvolles Trip Hop Stück mit sanfter Jazz-Gitarre, das zwischen den Jobim- und Veloso-Kompositionen ebenso wenig unangenehm auffällt wie die beiden Schlußstücke „Sen Dicir Adeus“ und „Anulacion“. Letztere sind gleichfalls Eigenkompositionen von Galán, bei denen zwischen den minimalistischen Gitarren- und Sample-Arrangements auch das besondere Talent von Xacobe Antelo am Kontrabass auf dezent-kraftvolle Weise zur Geltung kommt.

La Tirana ist kein spektakulär-experimentelles Großprojekt. LA TIRANA ist „nur“ der sehnsuchtsvolle musikalische Blick dreier Individualisten über den Atlantik. Es ist ein Blick in die Vergangenheit von Kolonisten und Auswanderern und zugleich ein Blick in die Zukunft Europas und Lateinamerikas. Dort, am äußersten westlichen Zipfel unseres Kontinents, gelingt es im milden Morgenlicht nach einer durchtanzten Nacht auf wunderbare Weise noch die schärfsten Gegensätze – zumindest musikalisch – für einen Moment miteinander zu versöhnen.

Christian Arndt

 
 
  1. Vete de mi
  2. La Tirana
  3. Retrato Em Branco e Preto
  4. Que te pedi
  5. Noria
  6. Ultimo Desejo
  7. Baby
  8. Calimero
  9. Sorri
  10. Mia
  11. Eu Sei Que Vou te Amar
  12. Sen Dicir Adeus
  13. Anulacion
  14. Bay Babe B (iTunes only)

 

Releasedate: 12/06/2009
Label:  peacelounge recordings
Format: CD | Digital
Labelcode: LC 11784
Catalogue No: peal 038
EAN: 4260044590912
Distribution: AL!VE | Zebralution (digital)

 
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