Klangbilder der Welt

 

 
   
 

Eine wohltuende meditative Klangreise abseits ausgetretener Pfade...

 

"Viel zu selten hat man die Chance, Musikstücke rein intuitiv zu kombinieren, ohne auf Trends oder kommerzielle Erwägungen Rücksicht zu nehmen", sagt Christian Arndt aka dj peacelounge. Klangbilder der Welt ist ein solcher Glücksfall, ermöglicht durch den Vertriebspartner MVG, dessen einzige Vorgabe – dass die Musik einen meditativen Charakter haben solle – dem Compiler nach eigener Aussage eher "motivierender Ansporn" denn Einschränkung war.

 

So entstand eine 70-minütige Klangreise zwischen Akustik und Elektronik, Klassik und Ambient-Pop, Minimalismus und Opulenz. Nichts drängt sich auf oder in den Vordergrund, und doch verbreitet jedes Stück eine tiefe Wärme und wirkt beruhigend, um nicht zu sagen heilsam. In aller Bescheidenheit dürfen wir anmerken, dass mehr als die Hälfte der Stücke auf dieser CD ihre Europa-Premiere feiern, nicht weniger als drei Kompositionen (Moodorama, volt-r, Andreas Wolter) erscheinen sogar erstmals und exklusiv auf Klangbilder der Welt.

 

Rüdiger Oppermann, der "deutsche Meister der keltischen Harfe", setzt einen geradezu überirdisch schönen Auftakt mit seiner modernen Archaik zwischen Folklore, Pop und "New Age". Dicht gefolgt von "Clouds Across The Moon", einem Stück des kanadischen Komponisten Shaun Elder, gespielt von der Harfenistin Gilian Shaw. Elder lebt übrigens direkt bei den Niagarafällen, und die Natur scheint seine Musik auf nachgerade kontrapunktische Weise zu beeinflussen: Mitten im Tosen des majestätischen, zuweilen atemberaubenden Spektakels entdeckt er die leisen Zwischentöne. Ein zweites Elder-Stück, "Desert Blooms", verdeutlicht diese Fähigkeit, diesmal mittels Jeffrey McFaddens mild gespielter "Wüstengitarre".

 

Zwischendurch wartet eine weitere Perle auf ihre Entdeckung: Das elegische "Even in Dreams" als Instrumentalversion hat die Regensburger Band Moodorama, sonst eher für lässige Lounge-Klänge bekannt, eigens für die Klangbilder ermöglicht und freigegeben.

 

Eine absolute Neuentdeckung ist der Berliner Pianist und Komponist Andreas Wolter, der demnächst mit seinem Projekt volt-r beim local records-Schwesterlabel tonwert sein Longplay-Debüt geben wird: "Ethereal" ist ein Stück für Piano und Stimme (traumwandlerisch: Odile Pitzen), und "Pianocello" – nomen est omen – lebt von der Interaktion mit Cellistin Romy Nagy. Es ist wahrhaft erstaunlich, wie Wolter mit leichter Hand und tiefer Empfindung seine klassich-modernen Miniaturen aufs Blatt und aufs Band zaubert.

Ähnliche Adjektive dürfen auch auf das ostwestfälische Duo Weathertunes Anwendung finden. Die Gebrüder Voss schaffen es immer wieder, ihre weitgehend am Computer entstandene Musik absolut organisch klingen zu lassen, nicht nur wenn sie – wie bei diesem Stück – einen Gitarristen wie Michael Arlt als Gast im Studio haben.

Eine zur Meditation geradezu herausfordernde Situation erzeugt der Düsseldorfer Thomas Kessler mit seinem "Divided by Zero" genannten Stück, das in der Ur-Version über 20 Minuten lang durch dunkle Klangschluchten mäandert. Es vermag aber auch in knapp acht Minuten seine Wirkung zu entfalten.

 

Von ganz weit weg, nämlich aus Brasilien, stößt das Trio Yanur zu unserer Reisegruppe hinzu, mit einem schreitenden, von einer traurigen Flöte begleiteten Stück namens "Kilimanjaro". Vom höchsten Berg Afrikas nach Cincinatti, Ohio ist es nur ein Katzensprung. Von dort kommt die Gruppe Mind Soup, ebenfalls ein Trio, die mit "Choose Your Own" ein wunderbar fließendes melancholisches Stück Meditationsmusik geschaffen hat. Von ihnen werden wir sicherlich bald mehr hören.

 

Nicht weniger als drei Stücke steuerte der Musiker und Produzent Rupert Schellenberger zu den Klangbildern bei: "Ocean of Time" von seinem Projekt Sonic Senses wird auf ergreifend schöne Weise zur Projektionsfläche: als Spiegel der Seele, als mächtige und stets sich verändernde maritime Landschaft. Auch seine "Lost Treasures" scheinen vom Grund eines tiefen Meeres zu uns heraufzusprudeln. Dem Wahl-Berliner bleibt es auch überlassen, zusammen mit seinem Partner Alexis Madokpon aus Benin als Duo Human Art Engine das bewegende Finale unserer Reise zu bestreiten: "Vado Mu Alo" ist zugleich Meditation und explizites Gebet, also unserem Anlass mehr als angemessen: