Jasmon - Gentle Flowers

Eine Art Debut: Afro-Oriental-Latin Lounge von Roland Voss (Weathertunes, Lemongrass)

Fünfzehn Jahre elektronische Musik, zehn Alben in unterschiedlichen Konstellationen, und trotzdem überrascht er uns noch mit einem frischen "Debüt". Die Rede ist von Roland Voss.
 
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Sein Projekt JASMON ist gewissermaßen sein ältestes und jüngstes Baby zugleich: "Die Idee für Jasmon entstand schon in den späten Achtzigern, als ich meine ersten Experimente mit einem Mix aus Computerdrums und ethnischen Sounds anstellte. Kurze Zeit später  kombinierte ich dann selbst programmierte Drum & Bass-Loops mit traditioneller asiatischer Musik", erinnert sich  Roland. Der Name wurde allerdings erst 1999  öffentlich: Unter dem Projektnamen genetic druGs & Jasmon firmierten der Berliner Radio DJ und der ostwestfälische Multi-Instrumentalist, um Uptempo-Tracks für globale Dancefloors zu produzieren. Diverse Compilation-Beiträge und ein gemeinsames Album dienten als Warm-Up für Jasmons Solo-Debüt in Sachen Global Beats.

Die Gentle Flowers klingen harmloser als sie sind. Natürlich läßt sich das Album einfach so durchhören, doch wer sich tiefer in die organischen Strukturen von Jasmons Klangblüten  hineinzoomt, erkennt ihre hypnotisierende, zuweilen berauschende Wirkung. Auf die Art seiner ethnischen Einflüsse will sich Roland nicht festlegen lassen, nur ein kryptisches " karibisch-orientalisch" lässt er sich entlocken, zwei Stile, die nicht nur geografisch einigermaßen weit außeinander liegen. Dennoch ist diese Einordnung treffend, weil beides 'heisse' Kulturen sind, denen aber im Gegensatz zum Latin-Sound jegliche Hektik fremd ist. Außerdem liegt viel Wasser dazwischen, und die submarine Thematik zieht sich ohnehin durch das Vossche Gesamtwerk, und hier erstmals auch aufs Cover (Fotos: Roland Voss).

So erweist sich Jasmon auf solistischen Pfaden als König des Global Midtempo Beat, eine Marschrichtung, die er bereits einem seiner ersten Solo-Tracks, dem vorab veröffentlichten "Dimdanana" vorgab. Dieses Stück entstand in der Ur-Fassung bereits Mitte der Neunziger, wurde aber erst 2002 als Opener auf der weltweit erfolgreichen "World Lounge" Compilation des New Yorker Putumayo-Labels erstveröffentlicht. Die New Yorker mochten das Stück so sehr, dass sie es auch für die Jubiläums-Compilation zum zehnten Label-Geburtstag auswählten. "Dimdanana" erscheint hier aber im brandneuen Green Empathy Remix, hergestellt von Rolands jüngerem Bruder und Weathertunes Mitstreiter Daniel.

Das Thema Asien hat im musikalischen Kosmos der Voss-Brüder immer eine herausragende Rolle gespielt, sowohl mit Lemongrass (Rolands erstem großem 'Coming Out' als  Drum&Bass bzw Downbeat-Musiker) als auch mit Weathertunes (die Alben "characters" sowie "the birds & the sky" erschienen auf peacelounge) war man bereits in Japan zu gast, wodurch sich ein Lebenstraum der beiden erfüllte. Dezente Referenzen an die japanische Kultur finden sich häufig in Songtiteln ("Kaito", "Taiko Chi", "Amaterasu") wieder,  aber auch in der Musik, die immer wieder dezent mit Bambusflöte und Koto-Harfe angereichert wird.  Bei Jasmon nimmt Voss diese Thematik am deutlichsten auf. Das Tempo bleibt dabei relaxt,  'Ethno' wird hier gleichberechtigt und als Komplement zur  Elektronik betrachtet. Schöner haben 'Asian Sounds' europäischer Provenienz selten geklungen. Man ist versucht, ins Elfenreich japanischer Comicwelten abzudriften, doch die Sounds sind zum Glück gut genug im Diesseits geerdet.

"Afrida" ist wiederum eine ganz eigene Geschichte: Der unwiderstehliche Beat schultert eine minimalistische Melodie und schlendert mit ihr durch einen grandiosen Spätsommer , ohne sich dabei auf einen bestimmten Strand festzulegen: Kapstadt, Ibiza, Portugal oder Thailand? Der (Fantasie-)Titel war zuerst da, aber als Guest-Vocalist Alain Nkossi Konda das Stück erstmals hörte, dachte er sofort an "African Freedom", und selbst der Erfinder des Stücks zeigte sich überrascht und begeistert vom Einfall des gebürtigen Kongolesen. Geheime Seelenverwandtschaft über 7000 Kilometer Entfernung? Alain Nkossi Konda hat uns jedenfalls gezeigt, dass man sein Afrika überall mitnehmen kann, vielleicht sogar muss. Er, der vor einigen Jahren von Harry Belafonte entdeckt und für dessen eigenes Label gesignt wurde, hat gleich noch einem Jasmon-Stück den stimmlichen Stempel aufgedrückt: "Looming Large" beginnt lasziv-sehnsüchtig wie ein Tango, ist aber mit schnelleren Rhythmen und Breaks durchsetzt. Und plötzlich ertönt eine kraftvolle Stimme, die in einer Strophe drei Kontinente verbindet...
 
Kommen wir nun zu der Gegend, die man einst den 'vorderen Orient' nannte: Kein geringerer als der ägyptische Superstar Mohammed Mounir  singt das bezaubernde "Hanina", eine Komposition von Shalim Sharaoui, die von genetic druGs & Jasmon auf spannende Weise elektronisch interpretiert wurde. In der Jasmon-Version klingt der Track wie die kammermusikalische Eskapade eines Drum & Bass-Derwischs, der erst im Morgengrauen zur Ruhe kommt. Eine kongeniale instrumentale Ergänzung aus dem gleichen Kulturraum liefert uns Jasmon mit "Red Sea", ein arabesker Dub, der Appetit auf Wasserpfeife und würzigen Tee macht. Quasi in letzter Minute und auf unkonventionelle Art entstand ein weiterer Track im Fachbereich 'Arabic Grooves': "Goubahi" – aus einem Remix-Projekt für den algerischen Multi-Instrumentalisten Djamel Laroussi entstand eine völlig neue Komposition, die zwischen traditionell arabischer Rhythmik und einem sehr lässigen House-Beat oszilliert. Djamels kehliger Tenor erscheint direkt aus der Wüste als perfekte Ergänzung zum 'synthethnischen' Klangkosmos des Herrn Voss.

Um es auf eine kurze Formel zu bringen: Gentle Flowers ist ein globales Genußmittel erster Güte für jede Tages- und Nachtzeit...

 
   
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